Studien und Erkenntnisse zu Folsäure

Folsäure nimmt im Stoffwechsel jeder einzelnen Zelle eine zentrale Stellung ein, vor allem bei Teilungsprozessen der Zellen, bei der damit verbundenen Replikation der Erbsubstanz und bei der Aktivierung einzelner Gene. Zudem ist Folsäure an der Synthese verschiedener Hormone beteiligt. Das lässt erwarten, dass das Vitamin ein beträchtliches gesundheitsförderndes Potenzial hat, besonders, wenn es um Zellteilungen geht wie etwa bei Blutbildung, Hauterneuerung und vielen weiteren Vorgängen im Körper.

Viele der zu erwartenden positiven Effekte sind durch Studien bereits nachgewiesen. Allerdings wird der Einfluss der Folsäure bei bestehenden Gesundheitsproblemen aus ethischen Gründen meist nicht isoliert, sondern als Begleittherapie zu einer herkömmlichen medikamentösen Behandlung untersucht. Es lässt sich so der Unterschied zwischen reiner Medikation ohne Folsäure und der Behandlung mit Folsäure feststellen. Insgesamt besteht nach Auffassung einiger Forscher noch Nachholbedarf, um die komplexen Stoffwechselvorgänge rund um die Folsäure noch besser zu verstehen.

Studien in Bezug auf Fruchtbarkeit

Wie schnell sich der Wunsch eines Paares, ein Kind zu bekommen, durch eine Schwangerschaft der Frau verwirklicht, hängt von der Fruchtbarkeit der Frau und auch von der Spermienqualität des Mannes ab. Schätzungen laufen darauf hinaus, dass sich der Wunsch nach einer Schwangerschaft bei etwa 15 Prozent der Paare innerhalb eines Zeitraums von ein bis zwei Jahren nicht erfüllt, ohne dass ein konkreter organischer Befund vorliegt.

In einer dänischen Studie von 2016 wurde unter Beteiligung US-amerikanischer Wissenschaftler die Wirkung von Folsäure auf die Fruchtbarkeitsrate von Frauen als zusätzliches Vitamin in einem Multivitaminpräparat untersucht. Die Supplementierung erfolgte noch vor der Konzeption. Frauen, die zusätzlich zu dem Multivitaminpräparat Folsäure einnahmen, konnten sich über eine signifikant erhöhte Fruchtbarkeitsrate gegenüber den Frauen, die keine Folsäure einnahmen, freuen. Die Steigerung der Fruchtbarkeitsrate fiel bei Frauen mit unregelmäßiger Periode und bei Frauen, die über einen von 28 Tagen abweichenden Zyklus aufwiesen, besonders deutlich aus.

Link zur Studie:
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/26081493

Der Einfluss von Folsäure auf Qualität und Anzahl der Spermien wurde 2002 in einer placebokontrollierten Doppelblindstudie von niederländischen Wissenschaftlern untersucht. An der Untersuchung nahmen 108 Männer mit normaler Fruchtbarkeit und 103 Männer mit verminderter Fruchtbarkeit teil. Getestet wurde der Einfluss eines Zink-Sulfat-Präparates mit Folsäure gegenüber einem Zink-Sulfat-Präparat ohne Folsäure. Zur Kontrolle dienten zwei verschiedene Placebos. Die Anzahl der Samenfäden pro Volumeneinheit nahmen in den beiden Folat-Zink-Sulfat-Gruppen gegenüber der Testgruppe ohne Folat und den beiden Placebo-Gruppen signifikant zu. Die Autoren kommen zu dem Schluss, dass Männer unabhängig davon ob sie als normal fruchtbar oder weniger fruchtbar eingestuft werden, bei Kinderwunsch Folsäure supplementieren sollten.

Link zur Studie:
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/11872201

Studie in Bezug auf Depressionen

Als auslösende Faktoren für eine Depression lassen sich in der Regel starke psychische Belastungen erkennen und häufig auch Veränderungen in der quantitativen Zusammensetzung von Stresshormonen und anderen biochemischen Laborwerten. Es ist dabei nicht einfach, Ursache und Wirkung auseinanderzuhalten. Klinische Studien, die die Wirksamkeit einer hohen Supplementierung von Folsäure als Alleintherapie zur Behandlung einer Depression gegenüber einem Placebo untersuchen, verbieten sich meist aus ethischen Gründen. Ethisch unproblematischer erscheinen Studien, die den Effekt der Supplementierung als begleitende Therapie untersuchen.

In einer Metastudie an der Universität von Oxford wurde 2003 die Effizienz von Folsäure oder Folaten auf die Behandlung einer Depression untersucht. Der Aufbau der Studie entspricht einem Cochrane-Review mit den klaren Fragestellungen, ob die Behandlung einer Depression mit Folsäure wirksam ist und ob es schädliche Nebenwirkungen gibt. Zwei der herangezogenen wissenschaftlichen Untersuchungen mit insgesamt 151 Patienten belegen die positive Wirkung von Folsäure als begleitende Therapie. Der Score auf der Hamilton-Depressionsskala reduzierte sich im Mittel um weitere 2,65 Punkte durch die Supplementierung von Folsäure zusätzlich zur ausschließlichen Behandlung mit Antidepressiva. In keinem einzigen Fall traten unerwünschte Nebenwirkungen auf. Die Autoren der Metastudie des Reviews kommen zu dem Schluss, dass Folsäure gutes Potenzial für eine wirksame Begleittherapie bei Depressionen hat.

Link zur Studie:
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/12804463

Studien in Bezug auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen

In einer Metaanalyse mit großer Datenbasis wurde 2016 an der Harvard T.H. Chan School of Public Health in Boston, USA, nachgewiesen, dass sich das Risiko eines Schlaganfalls im Durchschnitt um 10 % senkte, während sich das Risiko einer Herz-Kreislauf-Erkrankung nur um 4 % verringerte. Aufschlussreich ist allerdings auch das Ergebnis, dass sich die Effekte verstärkten, je niedriger die Folsäurekonzentration im Blutplasma zu Beginn der Studie und wenn durch die Folsäure ein hoher Homocysteinwert stark abgesenkt werden konnte. Auf das Risiko einer Erkrankung der Herzkranzgefäße hatte die Supplementierung mit Folsäure keinen signifikanten Einfluss.

Link zur Studie:
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/27528407

An der Anhui Universität, Hefei, China, führten Wissenschaftler eine Metaanalyse mit 2052 Teilnehmern aus zehn zufällig ausgewählten Studien durch. Es sollte der mögliche Einfluss von Folsäure auf den Fortschritt einer Atherosklerose ermittelt werden. Die Studie hatte zum Ergebnis, dass Folsäure den Fortschritt einer Atherosklerose in den Halsschlagadern effektiv verlangsamen kann. Der Effekt war besonders stark ausgeprägt bei Patienten, die gleichzeitig an chronischer Niereninsuffizienz litten oder je stärker ihr hoher Homocystein-Level durch die Folsäure gesenkt werden konnte.

Link zur Studie:
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/22209480

Studie in Bezug auf Schlaganfall

Chronisch überhöhter Blutdruck gilt als einer der Risikofaktoren für einen Schlaganfall. In einer großen chinesischen Doppelblindstudie wurden in 32 Städten über 20.000 Erwachsene mit Bluthochdruck in die Studie einbezogen. Keiner der Patienten hatte zu Beginn der Untersuchung je einen Schlaganfall oder einen Herzinfarkt erlitten. Die Untersuchungen erstreckten sich vom Mai 2008 bis August 2013. Alle Patienten erhielten eine durchgehende Behandlung mit Enalapril, einem ACE-Hemmer, der gegen Bluthochdruck verschrieben wird.

Es sollte untersucht werden, welchen Einfluss eine zusätzliche Behandlung mit Folsäure auf das Risiko eines Schlaganfalls oder eines Herzinfarktes hat. Die Forscher fanden heraus, dass die Supplementierung von Folsäure bei Bluthochdruckpatienten zusätzlich zur Behandlung mit dem ACE-Hemmer Enalapril das Risiko eines Schlaganfall signifikant senkt gegenüber einer ausschließlichen Behandlung mit dem ACE-Hemmer.

Link zur Studie:
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/25771069

Studie in Bezug auf Blutbildung

Die Bildung der roten Blutkörperchen (Erythrozyten), dem Hauptbestandteil des Blutes, ist ein sehr komplexer Prozess, an dem viele Enzyme und Vitamine beteiligt sind. Falls einer der Stoffe fehlt, wird die Entwicklung der roten Blutkörperchen aus den Stammzellen des Knochenmarks gestört. Bei einem gesunden Erwachsenen bilden sich pro Sekunde etwa 2 Millionen neuer Erythrozyten! Die gleiche Anzahl „alter“ Erythrozyten wird vom Stoffwechsel gezielt abgebaut und teilweise stofflich recycelt. An der Johns Hopkins School of Hygiene and Public Health, Baltimore, USA, sollte der Einfluss verschiedener Vitamine, unter anderem auch der von Folsäure und Vitamin B12 Cobalamin auf die Blutbildung untersucht werden.

Die Forscher fanden im Jahr 2000 heraus, dass es hauptsächlich der Supplementierung von Folsäure und Vitamin B12 zu verdanken ist, dass sich eine megaloblastäre Anämie zurückbildet und einem weiteren Auftreten vorgebeugt wird. Eine megaloblastäre Anämie wird durch eine Beeinträchtigung der DNA-Synthese während der Teilungsprozesse der Stammzellen im Knochenmark verursacht. Es treten dann im Blutbild Riesenzellen (Megalozyten) verschiedenster Art auf. Insgesamt bemängeln die Forscher, dass das genaue Verständnis über die Wirkungsweise der einzelnen Vitamine noch nicht hinreichend verstanden ist, so dass noch Forschungsbedarf besteht.

Link zur Studie:
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/10948381

 
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