Vitamin B1 unterstützt das Nervensystem

Das menschliche Gehirn benötigt enorm viel Energie. Seine Masse beträgt zwar nur etwa 2 Prozent der gesamten Körpermasse, aber es verbraucht über 20 Prozent bis etwa 30 der täglich vom Stoffwechsel aus der Nahrung bereitgestellten Energie. Bei anhaltenden Stresssituationen verschiebt sich das Verhältnis noch weiter in Richtung Gehirn. Bei der Energieversorgung des Zentralnervensystems (ZNS, Gehirn) sowie der Nerven außerhalb des Gehirns und des Rückenmarks, die das periphere Nervensystem (PNS) bilden, übernimmt das Vitamin B1 eine wichtige Funktion.

Es ist in jeder Nervenzelle als notwendiges Coenzym bei der Verstoffwechslung von Glucose zu Energiezwecken beteiligt. In einer weiteren, nicht weniger wichtigen Aufgabe, ermöglicht und fördert Vitamin B1 (Thiamin) vor allem im ZNS die Synthese von Gamma-Aminobuttersäure (GABA). GABA, ein wichtiger Botenstoff (Neurotransmitter) wirkt beruhigend auf die Synapsen der Nerven im Gehirn. GABA kassiert vor allem Stresshormone und sorgt für die Lösung von Spannungen und Angstzuständen, und es hat positiven Einfluss auf einen gesunden Schlaf.

Das Vitamin B1 wird deshalb auch als Stimmungsvitamin bezeichnet. In einer dritten Funktion nimmt das Vitamin B1 Einfluss auf weitere Neurotransmitter, die für die Signalübertragung von den motorischen Nerven auf die Muskelzellen verantwortlich sind und für koordinierte Bewegungsabläufe sorgen. Thiamin unterstützt so die die Nerven auf zweifache Weise. Es kurbelt ihre Energieversorgung an und wirkt positiv auf die Psyche durch Förderung der Aktivität des wichtigen Neurotransmitters GABA und übernimmt weitere Aufgaben bei der Signalübertragung an die Muskelzellen.

Vitamin B1 - ein Nervenbooster?

Vitamin B1 und das Nervensystem

Wer kennt das Verlangen auf etwas Süßes nicht, das sich nach einer längeren Konzentrationsphase einstellen kann. Das Gehirn hat die verfügbaren Reserven an Glucose im Blut aufgebraucht, so dass der Blutzuckerspiegel absinkt und sich ein flaues und abgespanntes Gefühl einstellt. Um die Blutzuckerkonzentration wieder anzuheben, müsste der Stoffwechsel auf gespeichertes Fett oder auf Proteine der Muskeln zurückgreifen. Dagegen wehrt sich der Körper zunächst, denn er baut nicht gerne Reserven ab.

Während das Insulin den Nerven die im Blut gelöste Glucose für die energetische Verwertung zur Verfügung gestellt hat, müsste jetzt einer der wichtigsten Gegenspieler des Insulins, das Glucagon, dafür sorgen, dass die Leber Fettsäuren und Proteine so verstoffwechselt, dass Glucose übrigbleibt und den Blutzuckerspiegel wieder auf Vordermann bringt. Das sind Prozesse, die verzögert einsetzen und die auch einige Zeit in Anspruch nehmen bis es zum Wiederanstieg des Blutzuckerspiegels kommt.

In der Zwischenzeit könnte das Problem längst behoben sein, falls ein ordentlicher Nachschub an leicht verdaulichen und leicht verfügbaren Kohlenhydraten erfolgte. Innerhalb weniger Minuten kann eine Wirkung verspürt werden. Die Voraussetzung für den gefühlten Energieschub ist aber nicht nur die Extraportion „Süßes“, sondern ebenso wichtig ist das Vitamin B1. Es muss in ausreichender Konzentration in den Membranen der Nervenzellen vorhanden sein, da ansonsten die direkte Verwertung der Glucose zu Energiezwecken nicht funktioniert. Es bleibt deshalb festzuhalten: Vitamin B1 kann ein Nervenbooster sein, aber nur im Zusammenspiel mit einer Extraportion Zucker oder anderer leicht verdaulicher Kohlenhydrate, die in diesem Fall ausnahmsweise gesund sind.

Kann Vitamin B1 gegen Depressionen helfen?

Die Rolle des Thiamins (Vitamin B1) als energetischer Energie-Nervenbooster, besonders im ZNS, gehört zu seinen wichtigeren zentralen Aufgaben. Der Einfluss von Vitamin B1 auf Botenstoffe wie GABA und Serotonin lässt die Vermutung aufkommen, dass es auch Auswirkungen auf das subjektive Befinden und die Psyche hat. Es stellt sich die Frage, ob Vitamin B1 in diesem Zusammenhang auch als Wirkstoff gegen Depressionen hilft und wie die Zusammenhänge zu verstehen sind.

Die Entstehung von Depressionen geht in der Regel auf mehrere Ursachenkomplexe zurück, deren Zusammenwirken (noch) nicht alle vollständig verstanden sind. Meist gehören individuelle Belastungszustände mit Herausforderungen und möglichen Überforderungen der Psyche zu den wesentlichen Verursachungsfaktoren. Inwieweit Stoffwechselstörungen im Gehirn, die zu einer geringeren Konzentration bestimmter Neurotransmitter wie Serotonin und GABA führen, Ursache oder Folge einer Depression sind, wird unter Wissenschaftlern kontrovers diskutiert. Tatsache ist, dass Depressionen fast immer mit einer niedrigen Aktivität bestimmter Neurotransmitter assoziiert sind. Serotonin wird auch als Glückshormon bezeichnet, weil es in ausreichender Konzentration zu Wohl- und Glücksgefühlen beiträgt.

Allerdings ist ein Zuviel an Serotonin ebenfalls schädlich und nicht gesund. Eine Überkonzentration löst das Serotoninsyndrom aus, das sich durch zahlreiche Symptome bemerkbar macht. Eine mangelhafte Konzentration und Aktivität des Botenstoffs Serotonin kann unter anderem durch einen Mangel an Vitamin B1 verursacht werden. Zu einem derartigen Mangel kann es auch in unserer Industriegesellschaft kommen, wenn ein erhöhter Bedarf an Thiamin besteht oder die Aufnahme empfindlich gestört ist wie das beispielsweise bei Alkoholikern der Fall ist. Als begleitende Maßnahme zur Behandlung von Depressionen können Extraportionen an Vitamin B1 die Synthese von Serotonin im ZNS erhöhen, was dem Erfolg einer Therapie gegen Depressionen sehr dienlich ist. Zusätzliche Gaben von Vitamin B1 sind bei Depressionen als begleitende Behandlung hilfreich, können aber weitere Therapieformen nicht ersetzen.

Vitamin B1 unterstützt die Funktion des vegetativen Nervensystems

Das vegetative oder unwillkürliche Nervensystem besteht aus sympathischen und parasympathischen Nerven. Während das sympathische Nervensystem (Sympathikus) über Stresshormone alle Körperfunktionen auf schnelle Reaktionen und Höchstleistungen für Flucht oder Angriff trimmt, kassiert das parasympathische Nervensystem (Parasympathikus) die Stresshormone und inaktiviert sie. Der Parasympathikus programmiert den Stoffwechsel auf Entspannung und Wachstum.

Bei der Übertragung der entsprechenden Nervensignale an ihren cholinergen Synapsen und an der motorischen Endplatte der motorischen Nerven ist vor allem der Neurotransmitter Acetylcholin beteiligt. Vitamin B1 ist als Wirkstoff an der Synthese von Acetylcholin beteiligt und an der Steuerung der Signalübertragung am synaptischen Spalt. Eine ausreichende Konzentration an Vitamin B1 im vegetativen Nervensystem und in den motorischen Nerven ist für die Funktion der Nerven unabdinglich. Bei einem Mangel kommt es zu einer Vielzahl von Symptomen wie sie von der Beriberi-Krankheit bekannt sind.

Fazit: Vitamin B1 leistet wichtige Unterstützung für das Nervensystem

Ein Bedarf an Vitamin B1 als essenzieller Wirkstoff besteht in allen unseren Nervensystemen. Thiamin sorgt dafür, dass die Nerven – vor allem im Gehirn – ihren ausgedehnten Energiehunger durch Verwertung der Glucose im Blut stillen können. Neben dieser zentralen Unterstützung in der Energieversorgung erfüllt das Vitamin B1 wichtige Aufgaben bei der Synthese verschiedener Neurotransmitter und nimmt Einfluss auf die Steuerung der Signalübertragung an den Synapsen der Nerven.

Im Gehirn wirkt sich Vitamin B1 sogar positiv auf die Stimmungslage aus und hilft als begleitende Therapie bei Depressionen. Wenn auch eine ausreichende Versorgung mit Vitamin B1 meist über die Ernährung gegeben ist, besteht in vielen Fällen dennoch ein Mangel. Der Mangel kann durch einen erheblichen Mehrbedarf an Vitamin B1 durch Leistungssport, durch chronischen Stress oder durch täglichen Alkoholgenuss verursacht werden. Es empfiehlt sich dann, die Vitamin-B1-Körperspeicher über eine Nahrungsergänzung aufzufrischen. Es sollten nur Nahrungsergänzungsmittel aus zuverlässigen Quellen verwendet werden.

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