Eine starke Überdosierung von Vitamin B3 kann zu Nebenwirkungen führen

Mehrere hundert verschiedene Funktionen im zentralen Zellstoffwechsel, an denen das Vitamin B3 beteiligt ist, machen es absolut unentbehrlich für uns. Der Ausgleich eines Niacin-Mangels ist in der Regel völlig unproblematisch und erfolgt ohne jegliche unerwünschten Nebenwirkungen. Erst kräftige Überdosierungen, die etwa für bestimmte Therapiezwecke angezeigt sind, können (selten) unerwünschte Nebenwirkungen auslösen. Nicotinsäure und Nicotinamid, die beiden chemischen Formen, in denen Niacin vorliegen kann, verhalten sich dabei unterschiedlich.

Während Nicotinsäure bereits ab etwa einer einzelnen Dosierung von 500 mg und mehr einen Flush verursachen kann, ist eine derartige Wirkung durch Nicotinamid nahezu unbekannt. Erst eine Mega-Dosierung von 1.500 mg täglich und mehr, die für bestimmte Therapiezwecke empfohlen werden, kann in seltenen Fällen weitere Nebenwirkungen verursachen. Eine derart hohe Dosierung entspricht mehr als dem Hundertfachen des täglichen Bedarfs an Vitamin B3.

Welche Nebenwirkungen können bei Vitamin B3 auftreten?

Nebenwirkungen von Vitamin B3

Eine bekannte Nebenwirkung von Vitamin B3 ab einer Tagesdosis von etwa 500 mg ist der sogenannte – gesundheitlich völlig unbedenkliche - Flush. Es handelt sich um eine vorübergehende Erweiterung der oberflächlichen Blutgefäße der Haut im Bereich Hals und Dekolleté. Die Gefäßerweiterung ist mit einem Erröten der entsprechenden Hautareale und mit einem kurzzeitigen Wärme- oder Hitzegefühl verbunden und hält für 15 bis 30 Minuten an.

Die Wirkung tritt fast ausschließlich nach Einnahme oder Verzehr von Nicotinsäure auf, nicht aber nach Einnahme von Nicotinamid in der üblichen Dosierung. Der Flush wird unterschiedlich empfunden. Viele Anwender, die Vitamin B3 zur Verbesserung der Haut einnehmen, wollen ihn bewusst erleben, weil sie sich einen positiven Effekt für die Haut versprechen. Für Menschen, die den Flush vermeiden wollen, werden sogenannte „Flush free“ Präparate bereitgehalten. Beispielsweise kann der Effekt durch vorherige Einnahme von 300 mg Aspirin (Acetylsalicylsäure) abgeschwächt oder gänzlich unterdrückt werden. Zur Vermeidung des Effektes kann nicht immer auf Nicotinamid ausgewichen werden, weil es nicht für alle Therapiezwecke geeignet ist.

Sehr hohe Tagesdosen von über 1.500 mg bis 3.000 mg täglich können außer zum Flush in seltenen Fällen weitere unerwünschte Nebenwirkungen verursachen. Beispielsweise können sich Juckreiz und Hautveränderungen in Form eines Ekzems und eine Verdickung bestimmter Hautpartien mit Verfärbung durch Melanin einstellen. Die Mega-Dosierung des Vitamins kann auch die Ursache für Übelkeit und Verdauungsstörungen oder für Schwindelanfälle sein. In sehr seltenen Fällen stellen sich ein Blutdruckabfall und ein Anstieg der Harnsäure im Blut ein. Extrem selten kann die sehr hohe Dosierung die Leber angreifen mit gelbsuchtähnlichen Symptomen. Die europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit EFSA empfiehlt daher, höhere Dosierungen, die 10 mg Nicotinsäure oder 900 mg Nicotinamid übersteigen, nur auf ärztlichen Rat und unter ärztlicher Kontrolle vorzunehmen.

Wie kommt der Niacin-Flush zustande?

Ein Erröten, das auch als Flush bezeichnet wird, kommt normalerweise aufgrund einer emotionalen Erregung zustande, z. B. bei Wut oder Ärger. Der Flush wird durch die sympathischen Äste unseres vegetativen (autonomen) Nervensystems gesteuert, das nicht unserem Willen unterliegt. Die Kapillaren der oberflächlichen Hautgefäße erweitern sich, so dass der Blutfluss deutlich erhöht wird, was an der sichtbaren Errötung der Haut erkennbar ist. Der sympathische Teil des autonomen Nervensystems ist der Teil, der auf Stresshormone reagiert und den Körper auf Höchstleistung und auf Flucht oder Angriff vorbereitet. Die Auslösung des Flush bei einem Wutanfall diente ursprünglich durch das Rotwerden der nonverbalen Warnung und Einschüchterung eines potentiellen Gegners. Da der Vorgang hormonell gesteuert wird, entsteht der Flush bzw. das Erröten innerhalb von Sekunden und kann innerhalb einer Minute bereits wieder abflauen.

Der Flush, der durch eine hohe Einzeldosis des Vitamins B3 in Form der Nicotinsäure verursacht wird, kann erst nach Aufnahme im Dünndarm entstehen. Das ist etwa 10 Minuten nach Einnahme der Nicotinsäure der Fall. Er kommt zustande, weil der Überschuss an Nicotinsäure im Stoffwechsel der Zellen einen gefäßerweiternden Einfluss auf die Kapillaren der Hautgefäße ausübt. Die Wirkung hält etwa 15 bis 30 Minuten an. Physiologisch setzt der Flush einen Akzent, weil die oberen Hautschichten stärker durchblutet werden und die Versorgung des Hautgewebes mit Sauerstoff und Nährstoffen gesteigert und auch die Entsorgung von überschüssigen Stoffwechselprodukten (Metaboliten) angekurbelt wird. Das bedeutet, dass dem durch Nicotinsäure verursachte Flush durchaus eine gesundheitlich positive Wirkung für die Haut zuerkannt werden kann. Vitamin B3 in Form des Nicotinamid erzeugt selbst bei einer hohen Dosierung normalerweise keinen Flush.

Fazit: Vitamin B3 - Nebenwirkungen kommen sehr selten vor

Zum Ausgleich eines eventuellen Mangels an Vitamin B3 reicht normalerweise die Zufuhr von Nicotinsäure oder Nicotinamid in Mengen, die absolut nebenwirkungsfrei sind. Erst höhere Dosierungen oder Überdosierungen, die für bestimmte Therapien zur Erzielung besonderer Effekte angezeigt sind, können in seltenen Fällen unerwünschte Nebenwirkungen verursachen.

Dabei muss zwischen dem Flush und anderen möglichen Nebenwirkungen unterschieden werden. Der Flush kann ausschließlich durch Vitamin B3 in Form der Nicotinsäure, nicht aber durch Nicotinamid ausgelöst werden, und er hat durchaus positive gesundheitliche Aspekte für die Haut. Es werden rezeptfreie Medikamente und Nahrungsergänzungsmittel mit Vitamin B3 angeboten, die entweder „Flush free“ sind oder deren Einnahme bewusst den „Niacin-Flush“ verursachen. Erst bei eklatanten Überdosierungen von 1.500 mg oder mehr, die über dem Hundertfachen des täglichen Bedarfs an Vitamin B3 liegen, können in seltenen Fällen weitere unerwünschte Nebenwirkungen eintreten.

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