Die wichtigesten Studien zu Vitamin B3 auf einen Blick

Vitamin B3 ist an mehreren hundert Stoffwechselprozessen auf zellulärer Ebene beteiligt. Sehr viele Studien und Untersuchungen – vor allem in den USA – fokussieren sich auf Teilaspekte, die für das Verständnis der Gesamtwirkung des Vitamins wichtig sind. Einige Untersuchungen überraschen mit besonders positiven Ergebnissen. Es sind dies beispielsweise nachgewiesene vorbeugende Effekte gegen Erkrankung an Alzheimer und gegen sonstige kognitive Einbußen im Alter. Überraschend mag auch die Wirkung von Vitamin B3 im Dickdarm zur Vorbeugung gegen Entzündungen und gegen die Entwicklung von Darmkrebs sein.

Die festgestellten Wirkungen beruhen darauf, dass Niacinamid einen besonderen Rezeptor der Darmschleimhaut besetzen kann und damit antientzündliche Signale an das Immunsystem aussendet. Gleichzeitig hilft das Niacin dem geschädigten Mikrobiom im Dickdarm, sich wieder zu regenerieren. Ebenso positiv sind die Auswirkungen zu bewerten, die Niacin auf das Erscheinungsbild der Haut ausübt. Dass Vitamin B3 die Blutkonzentration des „guten“ HDL-Cholesterins erhöht, wurde zwar nachgewiesen, die erwarteten Effekte auf Senkung des Infarktrisikos ließen sich allerdings nicht erkennen. Die groß angelegte und von der Pharmaindustrie finanzierte Untersuchung bezieht sich ausschließlich auf Personen, die begleitend zur Vitamin-B3-Einnahme zur Senkung des Gesamtcholesterins mit Statinen behandelt wurden.

Studien in Bezug auf den Cholesterinspiegel

In einer Metaanalyse (HPS2-Thriv) über den Einfluss von Niacin auf das Risiko, an einer der bekannten kardiovaskulären Erkrankungen zu erkranken, wurden 39 Studien mit insgesamt über 117.000 Patienten einbezogen und die Ergebnisse 2014 veröffentlicht. Die Metaanalyse wurde unter Leitung von Daniel Keene, National Heart and Lung Institute, Imperial College London, GB, durchgeführt. Die Studie kam zum Ergebnis, dass sich durch die zusätzlichen Gaben von Niacin die Konzentration an Triglyceriden erniedrigte und sich das HDL-Cholesterin erhöhte.

Allerdings blieb der erwartete Effekt auf eine Senkung des Risikos, an einer kardiovaskulären Erkrankung wie Herzinfarkt zu erkranken, aus. Ein Hauptkritikpunkt gegenüber allen durchgeführten Studien besteht darin, dass alle Patienten gleichzeitig mit Statinen zur Senkung des Gesamtcholesterins behandelt wurden. Ein weiterer, wesentlicher Kritikpunkt besteht darin, dass die wissenschaftliche Untersuchung von einem Unternehmen der Pharmaindustrie finanziert wurde. Es wäre wünschenswert, dass auch fundierte Studien durchgeführt werden, die die Wirkung von Niacin gegenüber einem Placebo ohne den Einfluss von Statinen als Untersuchungsschwerpunkt haben.

Link zur Studie:
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4103514/

Die berühmte Mayo Klinik mit Hauptsitz in Rochester, Minnesota, gibt offiziell bekannt, dass sich mit Niacin das HDL-Cholesterin bei hoher Dosierung des Vitamins um bis zu 30 Prozent steigern lässt. Gleichzeitig nimmt die Klinik Bezug auf die HPS2-Thriv-Untersuchung und fügt an, dass sich trotz Erhöhung des HDL-Cholesterins das Risiko, einen Herzinfarkt zu erleiden, nicht signifikant verringert hat. Die Mayo Klinik sieht deshalb das bisherige Rollenverständnis des HDL-Cholesterins bezüglich Gefäßgesundheit erneut in der Diskussion.

Link zur Studie:
https://www.mayoclinic.org/diseases-conditions/high-blood-cholesterol/in-depth/niacin/art-20046208

Studie in Bezug auf das Hautbild

Unter Leitung der Dermatologin Prof. Dr. Martina Kerscher wurde an der Uni Hamburg eine sogenannte Halbseitenstudie an 40 Frauen im Alter von 35 bis 65 Jahren durchgeführt. Das Ziel der Untersuchung bestand darin, Unterschiede in der äußeren Anwendung zwischen einer Vitamin-A-haltigen Creme und einer Niacinamid-haltigen-Creme bezüglich Hautbild zu testen. Als Ergebnis bleibt festzuhalten, dass die Niacinamid-haltige-Creme ein deutlich besseres Hautbild hervorbrachte als die Vitamin-A-haltige Creme. Zusätzlich wurden Verbesserungen bei Pigmentflecken beobachtet und eine insgesamt bessere Anti-Aging-Wirkung. Die Leiterin der Untersuchung führt das darauf zurück, dass Niacinamid aktiv in den Proteinstoffwechsel eingreift, die Synthese von Kollagen stützt und die Hautbarriere regeneriert und verbessert.

Link zur Studie:
https://academic.oup.com/asj/article/30/1/74/199813

Studie in Bezug auf Prävention gegen weißen Hautkrebs

In Australien wurde 2015 an 386 Personen eine randomisierte wissenschaftliche Untersuchung gegenüber Placebo durchgeführt, um festzustellen, ob Niacinamid als Prävention gegen nicht-Melanom-bedingten-Hautkrebs Wirkung zeigt. Die wissenschaftliche Untersuchung mit dem Namen ONTRAC (Oral Nicotinamide to Reduce Actinic Cancer) zeigte, dass die Teilnehmer der Gruppe, die 12 Monate lang zweimal täglich 500 mg Nicotinamid einnahmen, gegenüber den Mitgliedern der Placebo-Gruppe signifikant weniger häufig weißen Hautkrebs entwickelten. Nebenwirkungen wie sie von der Nicotinsäure bekannt sind, traten nicht häufiger auf als bei den Probanden der Placebo-Gruppe. Alle Teilnehmer der Untersuchung hatten in den 5 Jahren vor Beginn der Untersuchung mindestens zweimal einen weißen Hautkrebs entwickelt.

Link zur Studie:
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4570055/

Studie in Bezug auf Dickdarm-Funktionen

Eine ballaststoffreiche Ernährung wirkt meist vorbeugend gegen Entzündungen im Dickdarm und gegen Dickdarmkrebs. Eine wesentliche Rolle spielt dabei der Rezeptor Gpr109a. Er wird normalerweise durch die kurzkettige Fettsäure Butyrat aktiviert. Sie entsteht bei der Fermentierung der Ballaststoffe durch das Mikrobiom im Dickdarm. Falls der Darm bereits entzündet ist (Morbus Crohn, Colitis ulcerosa) und die Zusammensetzung des Mikrobioms nicht mehr den Anforderungen genügt, werden die Ballaststoffe nicht mehr fermentiert. Es entsteht kein Butyrat. Die Ballaststoffe reizen mechanisch die Darmschleimhaut und verschlimmern das Problem, so dass sich auch Krebszellen bilden können und sich das Krankheitsbild verschlechtert.

In einer groß angelegten Studie unter Leitung von Nagendra Singh, Department of Biochemistry and Molecular Biology, Medical College of Georgia, Augusta, USA, zeigte sich, dass der Rezeptor Gpr109a nicht nur durch Butyrat aktiviert werden kann, sondern auch durch Niacinamid. Es wird ebenfalls in gewissem Umfang von den Bakterien aus Tryptophan synthetisiert. Es konnte gezeigt werden, dass die Besetzung der Rezeptoren durch Niacinamid antientzündliche (antiinflammatorische) Signale aussendet, die das Immunsystem versteht, so dass bereits bestehende Entzündungen abflauen. Die Frage wie das Niacin in der notwendigen Menge den Dickdarm erreichen kann, ohne bereits im Magen oder im Dünndarm aufgenommen zu werden, kann die Studie nicht beantworten. Hier sind Kapseln vielversprechend, die von einem Forscherteam in Kiel entwickelt wurden. Die Wände der Kapseln lösen sich erst nach Erreichen des Dickdarms auf, so dass das enthaltene Niacinamid den Schleimhautzellen des Dickdarms und seiner Mikroben zugutekommt.

Link zur Studie:
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4305274/

Korrelationsanalyse in Bezug auf vorbeugende Effekte gegen Alzheimer-Erkrankung und gegen den Verlust kognitiver Fähigkeiten im Alter

Im Zeitraum 1993 – 2002 wurde an 6.158 Einwohnern eines definierten Bezirks in Chicago der Einfluss aufgenommenen Niacins auf Alzheimer-Erkrankung und die Beeinträchtigung kognitiver Leistungen untersucht. Alle Probanden waren 65 Jahre oder älter. Es handelt sich um eine multivariante Korrelationsanalyse unter Leitung von Martha C Morris, Rush Institute for Healthy Aging, Atlanta, USA. In einem Regressionsmodell wurde die Aufnahme von Vitamin B3 sowohl in der Nahrung wie auch in Nahrungsergänzungsmitteln quantitativ berücksichtigt. Die Forscher kamen zu dem Schluss, dass Niacin eine signifikant vorbeugende Wirkung gegen eine Alzheimer-Erkrankung und gegen den Verlust kognitiver Fähigkeiten im Alter hat. Bei bereits bestehender Erkrankung an Alzheimer wird der Verlauf verlangsamt. Die vorbeugenden Effekte werden noch deutlicher, wenn Personen mit bereits bestehender Vorerkrankung des Herz-Kreislauf-Systems von der Korrelationsanalyse ausgeschlossen werden. Die Ergebnisse der Untersuchung wurden im August 2004 in J Neural Neurosurg Psychiatry veröffentlicht.

Link zur Studie:
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/15258207

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