Vitamin B1 hilft gegen die Beriberi Krankheit

Vitamin B1 (Thiamin) übernimmt im Körperstoffwechsel eine wichtige Schlüsselfunktion bei der energetischen Verwertung von Glukose in den Zellen. In Nervenzellen übernimmt das Vitamin noch eine weitere Funktion. Ohne Vitamin B1 können Nervenimpulse nicht korrekt weitergeleitet werden. Bei unzureichender Versorgung des Stoffwechsels mit Vitamin B1 entstehen zunächst Mangelsymptome, die sich bei länger anhaltender Unterversorgung zu der akuten Vitamin-B1-Mangelkrankheit, der Beriberi oder Beri-Beri, ausweiten kann.

Den unterschiedlichen Erscheinungsformen der Erkrankung ist gemeinsam, dass sie auf einem längerfristigen Mangel an Thiamin beruhen. Hauptgründe einer derartigen Unterversorgung können in einer einseitigen Ernährung liegen, die zu wenig Thiamin enthält oder an einem reduzierten Aufnahmevermögen aufgrund von Darmerkrankungen wie Zöliakie. Auch kann aus bestimmten Gründen ein erhöhter Bedarf an Thiamin bestehen. Es entbehrt nicht einer gewissen Logik, dass das oberste Ziel bei der Behandlung der Beriberi Erkrankung darin besteht, den Stoffwechsel mit ausreichenden Mengen an Vitamin B1 zu versorgen. Das Vitamin ist zur Behandlung der Erkrankung nicht nur hilfreich, sondern sogar absolut notwendig.

Was sind die Auslösefaktoren für Beriberi?

Vitamin B1 gegen die Beriberi Erkrankung

Um es gleich vorweg zu erwähnen, Beriberi ist keine ansteckende Krankheit. Sie wird nicht durch Krankheitskeime verursacht, sondern einzig und allein durch einen Mangel an Vitamin B1. Das wasserlösliche Vitamin B1, das wir mit der Nahrung, meist in Form von Thiaminhydrochlorid aufnehmen, wird im Körper durch ein Enzym in das bioaktive Thiaminpyrophosphat (TPP) umgewandelt.

In den Mitochondrien, den Kraftwerken der Zellen, fungiert das TPP als Coenzym im Glukosestoffwechsel, der den Zellen unter Abspaltung von Kohlendioxid Energie zur Verfügung stellt. Falls nicht genügend Vitamin B1 vorhanden ist, weicht der Stoffwechsel zur Energiegewinnung auf den weit weniger effizienten Weg der Milchsäuregärung aus. Das führt allmählich zu einer Übersäuerung des Blutes. Ein Mangel an Vitamin B1 bringt daher den gesamten Energiestoffwechsel des Körpers in Bedrängnis. Bei länger anhaltendem Mangelzustand kommt es zur Ausbildung erster Beriberi-Symptome. In einer weiteren zentralen Funktion beeinflusst Vitamin B1 die Synthese und Steuerung bestimmter Botenstoffe (Neurotransmitter), mit denen die Signalübertragung von Nerv zu Nerv und vom Nerv zum Muskel erfolgt.

Die Krankheit Beriberi genau erklärt:

Abhängig davon, ob der auslösende Mangel an Vitamin B1 mehr den zentralen Energiestoffwechsel betrifft oder eine Beeinträchtigung der Nervenkommunikation untereinander im Vordergrund steht, treten unterschiedliche Verlaufsformen der Beriberi in Erscheinung.

Bei der trockenen Beriberi treten vor allem Störungen des Nervensystems als erkennbare Symptome in Erscheinung. Durch Störungen in der Signalweiterleitung von Nerv zu Nerv kann es zu einer Vielzahl von Problemen im Zentralhirn kommen. Der Vitaminmangel führt zu Muskel- und Nervenerkrankungen sowie zu Sprach- und anderen Gehirnstörungen, die alle dem Symptomkomplex Beriberi zugeordnet werden können. Unbehandelt entwickelt sich aus der trockenen Beriberi eine sogenannte Wernicke-Enzephalopathie, bei der Blutungen an den Gefäßwänden im Gehirn beobachtet werden, wenn nicht durch eine Versorgung mit Vitamin B1 gegengesteuert wird.

Bei der feuchten oder nassen Verlaufsform der Krankheit steht die mangelnde Energieversorgung im Vordergrund. In erster Linie ist das Herz betroffen. Die Herzmuskelzellen reagieren auf die mangelhafte Energieversorgung mit Insuffizienz, und es kommt häufig zu Wasseransammlungen im Gewebe. Es sind auch schwere, lebensbedrohliche Verlaufsformen bekannt wie die sogenannte Shoshin-Beriberi.

Die Wirkung von Vitamin B1 bei der Beriberi Erkrankung

Die einzige Möglichkeit, der Beriberi wirksam zu begegnen, ist eine ausreichende Versorgung des Körpers mit Thiamin. Falls der Stoffwechsel der Zellen wieder über Vitamin B1 verfügen kann, stellt sich die Energieversorgung der Zellen wieder auf den oxidativen Prozess der Glukoseverwertung um, und schädliche Abbauprodukte aus dem Laktatstoffwechsel werden allmählich über die Nieren wieder ausgeschieden.

Hinsichtlich der Kommunikation der Nerven an ihren Synapsen kann das Vitamin B1 seine Funktion bei der Synthese und Steuerung von Botenstoffen wieder aufnehmen. Sofern sich nicht bereits bleibende Schädigungen durch die Beriberi-Erkrankung eingestellt haben, bilden sich die Symptome quasi von selbst wieder zurück. In einigen Fällen empfehlen sich begleitende Maßnahmen zur Ausheilung von Gewebeschäden. Es bleibt die Frage, auf welche Art eine zügige Versorgung mit Vitamin B1 sichergestellt werden kann. Falls keine Beeinträchtigung des Aufnahmevermögens im Darm zu erwarten ist, hilft meist der Verzehr von Lebensmitteln mit viel Vitamin B1 oder Nahrungsergänzungen in Form von Tabletten oder Kapseln. Die orale Zufuhr des Vitamins hat den Vorteil, dass praktisch kein Problem einer Überdosierung entstehen kann und dass nur in sehr seltenen Fällen Nebenwirkungen auftreten.

Wenn der Vitaminmangel hauptsächlich durch eine Störung des Aufnahmevermögens verursacht wurde, muss eine parenterale Versorgung unter Umgehung des Verdauungstraktes gefunden werden. Es bieten sich die Verabreichung durch intravenöse Infusion oder durch intramuskuläre Injektionen an. Die Wirkung setzt dann unmittelbar ein, weil das Vitamin B1 direkt in den Blutstrom verbracht wird.

Beriberi – ein Problem in Industriegesellschaften?

Ein nahezu epidemisches Problem gab es mit Beriberi in einigen asiatischen Ländern, in denen Reis als Grundnahrungsmittel diente. Ab etwa 1870 wurde der bis dato unbehandelte Vollkornreis durch industriell geschälten und polierten weißen Reis ersetzt. Das Vitamin B1, das sich in den Reiskörnern in ihrer Keimanlage direkt unter der Schale befindet, wurde durch den industriellen Prozess unwissentlich entfernt, so dass sich aufgrund der Mangelernährung ein sehr großes Problem mit Beriberi einstellte.

In unserer Industriegesellschaft mit abwechslungsreicher Ernährung ist die Gefahr einer Beriberi denkbar gering. Allerdings manifestiert sich vielfach ein Mangel durch Mehrverbrauch an Vitamin B1, der beispielsweise durch Leistungssport und durch häufige Stresssituationen entsteht. Hier hilft eine bewusste Ernährung oder Nahrungsergänzung. Ein weiteres Problem besteht bei chronischem Alkoholkonsum, weil durch den Alkohol die aktive Aufnahme von Vitamin B1 empfindlich gestört ist, so dass eine gezielte Zufuhr über Nahrungsergänzung (Tabletten oder Kapseln) empfehlenswert ist.

Mehr zum Thema chronischen Alkohlkonsum erhalten Sie hier.

Fazit: Positive Ergebnisse durch die Einnahme von Vitamin B1

Die Symptome einer Beriberi-Erkrankung können ausschließlich durch zusätzliches Vitamin B1 zurückgedrängt und geheilt werden. Die einzelnen Körperzellen können dann wieder auf die Glukoseverwertung zur Energiegewinnung zurückgreifen, und die Nervenkommunikation kann an deren Synapsen wieder normal ablaufen. In den Fällen, in denen die Aufnahme des Vitamins im Darm gestört ist, sollte eine alternative Form der Zuführung, etwa durch Infusion oder Injektion in Erwägung gezogen werden. Normalerweise bietet eine ausgewogene und abwechslungsreiche Ernährung einen guten Schutz vor Beriberi.

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