Vitamin B1 Mangel - wie kommt er zustande?

Vitamin B1 ist sehr wichtig für den Stoffwechsel einer jeden Zelle. Es übernimmt Querschnittsaufgaben im Energiehaushalt, in der chemischen Signalübertragung der Nerven, in der Herzleistung und in vielen anderen Stoffwechselvorgängen. Ein Mangel kann gravierende Auswirkungen haben. Aber wie kann es überhaupt zu einem Mangel kommen, obwohl das Vitamin in vielen Lebensmitteln in ausreichendem Maß vorkommt? Neben einer unausgewogenen Ernährung mit zu wenig Vitamin B1 kann ein erhöhter Bedarf oder eine gestörte Aufnahmefähigkeit im Darm zu einem Mangel an Thiamin führen. Auch bestimmte Lebensgewohnheiten wie Leistungssport, häufiger und chronischer Stress sowie Rauchen, chronischer Alkoholgenuss und die regelmäßige Einnahme bestimmter Tabletten können einen Mangel bewirken, wenn nicht durch eine erhöhte Zufuhr des Vitamins gegengesteuert wird. Die auftretenden Symptome, die auf einen Mangel an Thiamin hindeuten, decken ein weites Spektrum ab.

Vitamin B1 Mangel – welche Symptome sind charakteristisch?

Angesichts der Querschnittsfunktionen, die das Vitamin B1 im Energiehaushalt der Muskeln, der Herzmuskulatur und im Gehirn übernimmt, lässt sich bereits erwarten, dass ein Vitamin-B1-Mangel je nach Ausprägung mit einem körperlichen Leistungsverlust und mit einer verringerten Herzleistung verbunden ist. Symptome wie Herz-Kreislauf-Probleme, Muskelschwäche, Muskelschmerzen und Kribbeln oder sogar Taubheit in Händen und Füßen sind typisch. Noch gravierender sind Symptome, die von einer gestörten Signalübertragung der Nerven untereinander verursacht werden. Bei nur leichtem Vitamin-B1-Mangel stellen sich kognitive Defizite und eine chronische Müdigkeit sowie Schlafstörungen ein. Die geistige Leistungsfähigkeit wird insgesamt in Mitleidenschaft gezogen. Bei einem länger anhaltenden Mangelzustand sind auch psychische Veränderungen zu erkennen. Betroffene leiden unter erhöhter Reizbarkeit, unter Depressionen und werden häufig von Angstzuständen geplagt.

Vitamin B1 Mangel – objektiver Nachweis möglich?

Die subjektiven Symptome, die auf einen Thiamin-Mangel schließen lassen, sind ein wenig unspezifisch. Daher ist der Wunsch nach einem objektiven Nachweis über das Blutbild oder einen anderweitigen Test verständlich. Die Konzentration von Vitamin B1 im Körper kann über eine Laboranalyse festgestellt werden. Der Norm-Blutwert für Erwachsene liegt bei 15 ng/ml bis 90 ng/ml. Das bedeutet, dass das Blutbild über einen Test bzw. eine Analyse eine objektive Aussage über die momentane Versorgung mit Vitamin B1 gestattet. Neben einer zu geringen Konzentration kann auch eine zu hohe Konzentration erkannt werden, die beispielsweise auf Lymphdrüsenkrebs oder bestimmte Formen von Leukämie hindeuten kann.

Ursachen für einen Vitamin B1 Mangel

Die Gründe für einen Vitamin B1 Mangel können meist einem von drei Ursachenkomplexen zugeordnet werden. Die drei Ursachenkomplexe betreffen Mangelernährung, erhöhten Bedarf und verminderte Aufnahmefähigkeit.

Mangel an Vitamin B1 durch einseitige Ernährung oder durch ungünstige Zubereitungsmethoden

Eine abwechslungsreiche Kost, die öfter Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte und verschiedene Gemüsearten im Speiseplan führt, bietet eine gute Gewähr für eine ausreichende Versorgung mit dem wichtigen Vitamin B1. Auch mageres Schweinefleisch und magerer Schinken sind ausgesprochen gute Lieferanten von Vitamin B1. Nur eine extrem einseitige Ernährung resultiert in einem Vitamin B1 Mangel als natürliche Folge. Beispielsweise sind geschälter und polierter Reis sowie Backwaren, die aus hochausgemahlenen Weißmehlen gebacken sind, schlechte Vitamin-Lieferanten. Die tatsächlich aufgenommene Menge an Vitamin B1 hängt beispielsweise bei Gemüse auch von der Zubereitungsart ab. Das Vitamin ist hitzeempfindlich und ein Teil geht mit dem Kochwasser verloren. Weil das Vitamin B1 zu den wasserlöslichen und nicht zu den fettlöslichen Vitaminen gezählt wird, ist in Ölen und Fetten kein Vitamin B1 enthalten.

Vitamin B1 Mangel durch erhöhten Bedarf

Die Beteiligung von Vitamin B1 am Energiestoffwechsel jeder einzelnen Zelle, vor allem bei Muskel- und der Herzmuskelzellen bedingt, dass bei hoher körperlicher Belastung mit dem gesteigerten Verbrauch an Kohlenhydraten auch im gleichen Verhältnis ein Mehrverbrauch an Vitamin B1 erfolgt. Ein ähnlich gesteigerter Bedarf ergibt sich bei einer Belastung des Nervensystems durch chronische und häufige Stresssituationen. Auch während der Schwangerschaft benötigt der Stoffwechsel deutlich mehr Thiamin als im Normalfall. Ein erhöhter Bedarf an Vitamin B1 kann eine der Ursachen dafür sein, dass sich trotz abwechslungsreicher Ernährung Vitamin-B1-Mangelsymptome oder eine Mangelkrankheit einstellen.

Vitamin B1 Mangel aufgrund verminderter Aufnahmefähigkeit im Verdauungstrakt

Eine charakteristische Verminderung der Aufnahmefähigkeit kann durch länger anhaltende oder chronische Magen-Darm-Erkrankungen verursacht werden. Reizdarm, Zöliakie und Morbus Crohn können die Aufnahmefähigkeit des Dünndarms empfindlich stören. Eine nur wenige Tage anhaltende Magen-Darm-Erkrankung hat dagegen kaum Auswirkungen, sofern die natürlichen Vitamin-B1-Depots im Körper gefüllt sind. Es können etwa 25 mg Thiamin im Körper gespeichert werden. Das reicht je nach Bedarf für 10 bis 19 Tage, wenn dem Körper während der Zeit kein Vitamin B1 von außen zugeführt wird.

Mangel an Vitamin B1 durch Wechselwirkungen mit Medikamenten und anderen Substanzen

Die biologisch aktive Form des Thiamins ist das Thiaminpyrophosphat (TPP). TPP in Lebensmitteln oder in Nahrungsergänzungsmitteln hat den gravierenden Nachteil, dass es in dieser Form nicht über die Darmschleimhaut resorbiert werden kann. Es muss vorher auf enzymatischem Wege seine Phosphorgruppe verlieren, um resorbiert werden zu können. Nach der Resorption folgt der umgekehrte enzymatische Vorgang. Das Thiamin wird wieder zum TPP re-phosphoryliert und damit wieder biologisch aktiv. Für die Re-Phosphorylierung des Thiamins sind Enzyme verantwortlich, die Magnesium und Zink enthalten.

Das bedeutet, dass für die Aktivierung von Vitamin B1 eine ausreichende Versorgung mit Zink und Magnesium sichergestellt sein muss. Bestimmte Wirkstoffe in Anti-Baby-Pillen führen zu einer reduzierten Aufnahmefähigkeit von Vitamin B1. Diuretika, die zum Zweck der Entwässerung eingenommen werden, sorgen für ein Ausscheiden des Vitamins über das normale Maß hinaus, so dass es auch hierdurch zu einer Mangelkrankheit kommen kann. Die Resorptionsfähigkeit kann auch durch starken Kaffeegenuss und durch Gerbstoffe wie sie in grünem und schwarzem Tee vorhanden sind, empfindlich gestört werden. Vor allem leiden viele Alkoholkranke unter einem Vitamin B1 Mangel, weil der chronische Alkoholgenuss den aktiven Thiamintransporter inaktiviert und es so ebenfalls zu einer verminderten Aufnahme des Vitamins kommt.

Vitamin-B1-Mangel – Behandlung und Vorbeugung

Die einzige effiziente Behandlung eines Thiamin-Mangels besteht darin, dem Körper vermehrt Vitamin B1 in ausreichender Menge zur Verfügung zu stellen. Das ist relativ einfach zu bewerkstelligen, wenn die Ursachen in einer Mangelernährung oder in einem erhöhten Bedarf zu suchen sind. In diesen Fällen können Lebensmittel mit einem hohen Thiamin-Gehalt oder entsprechende Nahrungsergänzungsmittel schnell eine Linderung bis zur völligen Ausheilung der Symptome führen. Schwieriger gestaltet sich die Behandlung, wenn das Aufnahmevermögen im Darm sehr stark reduziert ist. In diesen Fällen kann eine parenterale Aufnahme zusätzlichen Thiamins unter Umgehung des Verdauungstraktes mittels Infusion oder intramuskulärer Injektion als Behandlung erwogen werden.

Die beste Möglichkeit zur Vorbeugung liegt in einer abwechslungsreichen Ernährung mit Lebensmitteln, die Vitamin B1 in relevanten Mengen enthalten. Bei erkennbar hohem Bedarf kommen auch Thiamin-Präparate zur Vorbeugung in Betracht.

Fazit: Durch viele Ursachen kann ein Mangel an Vitamin B1 entstehen

Einem ausgesprochenen Vitamin B1 Mangel können viele verschiedene Ursachen zugrunde liegen. In der Regel lassen sich die Ursachen einem von drei verschiedenen Ursachenkomplexen zuordnen. Ein Mangel kann beispielsweise durch eine ungenügende Zufuhr des Vitamins über die tägliche Ernährung eintreten. Häufig besteht das Problem, dass trotz normaler Versorgung mit Vitamin B1 ein Mangel aufgrund eines erhöhten „Verbrauchs“ besteht wie etwa bei Leistungssportlern oder bei Personen, die häufigen oder chronischen Stresssituationen ausgesetzt sind. Der dritte Ursachenkomplex besteht in einer verminderten Aufnahmefähigkeit im Darm aufgrund einer Erkrankung oder bestimmter Medikamente oder aufgrund erhöhten Konsums von Kaffee, schwarzem Tee oder exzessivem Alkoholgenuss.

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