Folsäure während der Schwangerschaft und Stillzeit

Folsäure gehört zu den insgesamt 8 bekannten B-Vitaminen und wird auch als Vitamin B9 bezeichnet. Wegen seiner Beteiligung an der Replikation von DNA und RNA im zentralen Zellstoffwechsel ist es während der Schwangerschaft und auch während der Zeit des Stillens besonders wichtig für die Entwicklung des Embryos in den ersten zwei bis drei Wochen einer Schwangerschaft. Das Vitamin fördert die normale Entwicklung des werdenden Lebens und schützt vor allem während der Anlage des Neuralrohres vor späteren Fehlentwicklungen des Gehirns und der Nerven.

Das Neuralrohr, aus dem sich Gehirn und Rückenmark entwickeln, wird bereits zwischen dem 22. und 28. Tag der Schwangerschaft angelegt. Aber auch bei fortgeschrittener Schwangerschaft und während der Zeit des Stillens besteht ein erhöhter Bedarf an diesem wichtigen Vitamin, so dass häufig eine Versorgung durch die normale Nahrungsaufnahme nicht vollständig gewährleistet ist und eine Supplementierung durch folsäurehaltige Präparate sinnvoll sein kann.

Folsäure und die Schwangerschaft

Folsäure in der Schwangerschaft

Die Entwicklung des Embryos zum Neugeborenen während der Schwangerschaft ist von einer immensen Zellteilungsaktivität geprägt. Aus einer einzigen befruchteten Eizelle entstehen durch Teilungen nach Schätzungen von Fachleuten bis zu etwa einer Milliarde Zellen. Besonders zu Beginn bei Schwangerschaft muss sich eine große Zahl omnipotenter Stammzellen in Gewebezellen verschiedenster Art ausdifferenzieren. Für die riesige Anzahl von Zellteilungen und Ausdifferenzierungen spielt Folsäure in seiner aktivierten Form als Tetrahydrofolsäure (THF) eine wichtige und unentbehrliche Rolle.

Die spezifischen Eigenschaften der aktivierten Folsäure werden unter anderem bei der Replikation der Erbsubstanz DNA und RNA benötigt. Das trifft zum Teil auch für andere Vitamine zu. Weil die Eigenschaften gerade während der Schwangerschaft so wichtig sind, wird die Folsäure häufig als Schwangerschaftshormon bezeichnet.

Auffüllung der körpereigenen Folsäure-Depots schon vor Schwangerschaft wichtig

Die Bundesanstalt für Risikobewertung (BfR) geht davon aus, dass weite Teile der Bevölkerung nicht ausreichend mit Folsäure versorgt werden. Die Auffüllung der körpereigenen Folsäure-Depots kann je nach Versorgungsstatus selbst bei einer vergleichsweisen hohen Supplementierung mit 800 Milligramm täglich bis zu vier Wochen dauern. Da aber gerade in den ersten Wochen der Schwangerschaft eine optimale Versorgung zur Vorbeugung gegen einen Neuralrohrdefekt und gegen andere Fehlbildungen dient, empfiehlt es sich, bereits bei Kinderwunsch zur Schwangerschaftsvorbereitung auf eine optimale Versorgung zu achten. Im Zweifelsfall gibt ein Test des Blutserums Gewissheit über den momentanen Folsäure-Status. Gleichzeitig sollte auch die Konzentration von Homocystein im Blutserum ermittelt werden, weil ein hoher Homocysteinwert meist auf einen Folsäuremangel verweist.

Welche Rolle spielt Folsäure in der Schwangerschaft?

Auch in der Schwangerschaft ist eine optimale Versorgung mit Folsäure für das noch ungeborene Kind sehr wichtig. Bezüglich der Versorgung mit Nährstoffen und allen benötigten Mineralien und Mikronährstoffen ist das ungeborene Kind abhängig vom Blutkreislauf der Mutter. Das bedeutet, dass die Folsäure, die für den großen Umfang von Zellteilungen und für Wachstum benötigt wird, ausschließlich über den Blutkreislauf der Mutter zur Verfügung gestellt werden muss. Es muss ebenso berücksichtigt werden, dass die angehende Mutter auch selbst einen höheren Bedarf an dem wichtigen Vitamin hat. Bei Schwangerschaft wird zusätzlich für die Vergrößerung des Uterus, für die Plazenta und für die größere Anzahl an roten Blutkörperchen (Erythrozyten) Folsäure verbraucht.

Insgesamt erhöht sich der Verbrauch an Folsäure für Schwangere um etwa 50 Prozent. Falls nur eine geringfügige Unterversorgung in der Schwangerschaft besteht, setzt das körpereigenes Stoffwechselmanagement ein. Das bedeutet, dass unmittelbar lebenswichtige Organe der Schwangeren vom Stoffwechsel bevorzugt versorgt werden und der Fötus ein wenig benachteiligt wird. Ein nur geringfügiger Mangel an Folsäure wirkt sich deshalb für das ungeborene Kind stärker aus, so dass das Risiko für Fehlentwicklungen aufgrund relativen Mangels an Folsäure steigt. Falls das Vitamin ausschließlich über Lebensmittel zugeführt wird, sollte berücksichtigt werden, dass Folsäure relativ empfindlich auf UV-Licht, Sauerstoff und hohe Temperaturen reagiert, was bei der Nahrungszubereitung berücksichtigt werden sollte. Verluste durch UV-Licht bei frischem Obst und Gemüse können bei sachgerechter Lagerung vermieden werden.

Wie kann sich eine Mangelversorgung an Folsäure in der Schwangerschaft auswirken?

Ein relativer Folsäuremangel während der Schwangerschaft kann sowohl die werdende Mutter wie auch das ungeborenen Kind betreffen. Besonders prekär kann sich ein Folsäuremangel auf den Embryo ab etwa dem 19. bis 28. Tag nach der Befruchtung auswirken, weil sich während der Zeit das Neuralrohr ausbildet. Aus dem ektodermalen Neuralrohr entstehen das Zentralnervensystem mit Gehirn und Rückenmark und das übrige Nervensystem.

Je niedriger der Folsäurespiegel der Mutter ist, desto stärker steigt das Risiko, dass sich bei dem ungeborenen Kind ein Neuralrohrdefekt (NRD) ausbildet, der zu einer Fehlentwicklung des Gehirns, des Rückenmarks oder anderer Nervensysteme führt. Ungünstig für die Entwicklung des gesamten Nervensystems macht sich auch der hohe Homocysteinspiegel bemerkbar, der mit einer niedrigen Folsäurekonzentration assoziiert ist. Welche weiteren Fehlbildungen auf das Konto einer zu geringen Versorgung mit Folsäure gehen, wird von Wissenschaftlern unterschiedlich beurteilt. Beispielsweise wird diskutiert, ob die Entstehung von Herzfehlern und der Ausbildung einer Lippen-Kiefer-Gaumenspalte von einem Folsäuremangel verursacht werden kann. Bei einer relativen Unterversorgung mit Folsäure steigt auch das Risiko einer Fehlgeburt.

Erste Anzeichen, die bei der Schwangeren selbst auf einen Folsäuremangel hindeuten können, sind ein Absinken des Folsäurespiegels im Blutserum unter den Normwert und parallel dazu ein erhöhter Wert für Homocystein. Allgemeine Symptome können sich unter anderem in Appetitmangel, Erschöpfung, Müdigkeit und in Konzentrationsschwierigkeiten äußern. Das Immunsystem wird geschwächt und die Risiken einer Herz-Kreislauf-Erkrankung, einer Arterienverkalkung (Arteriosklerose) und das Risiko eines Schlaganfalls nehmen zu.

Wie viel Folsäure in der Schwangerschaft?

Nach Einschätzung des Bundesinstitutes für Risikobewertung (BfR) ist die Versorgung der deutschen Bevölkerung mit Folsäure ungenügend. Als besonders kritisch wird die Versorgung von jungen Frauen im gebärfähigen Alter angesehen, weil eine optimale Aufnahme von Folsäure oder Folaten in der ersten Phase einer Schwangerschaft das Risiko eines Neuralrohrdefektes deutlich reduziert.

Das BfR schätzt, dass Erwachsene in Deutschland im Durchschnitt nur 200 Mikrogramm Folsäure über die Nahrung zu sich nehmen, wobei 300 Mikrogramm täglich wünschenswert wären. In natürlich belassenen Lebensmitteln liegt die Folsäure meist in Form von Folaten vor, die vom Körper leicht aufgenommen werden können, die aber licht- und hitzeempfindlich sind. Die Wirksamkeit der synthetisch hergestellten Folsäure wird daher meist in Folat-Äquivalenten angegeben, um eine direkte Vergleichsmöglichkeit zwischen den beiden Formen des Vitamins zu schaffen.

Der Bedarf an Folsäure bei Schwangerschaft steigt laut Empfehlung und Bedarfsabschätzung der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) um bis zu 50 Prozent. Das bedeutet, dass die potenzielle Unterversorgung im Falle einer Schwangerschaft noch deutlich zunehmen kann, wenn die Frau mit Kinderwunsch nicht für die Schwangerschaft vorsorgt und nicht explizit auf eine ausreichende Versorgung mit Folsäure achtet. Die von der DGE empfohlene Tagesdosis für Jugendliche und Erwachsene wurde aufgrund neuerer Erkenntnisse aus Studien von ehemals 400 Mikrogramm auf nur noch 300 Mikrogramm reduziert. Darauf aufbauend beträgt die empfohlene Dosis für Schwangere 550 Mikrogramm.

Wie kann der erhöhte Bedarf an Folsäure für die Schwangerschaft gedeckt werden?

Die empfohlene Tagesdosis für Frauen, die schwanger sind, kann auf natürliche Weise durch den Verzehr besonders folatreicher Lebensmittel erreicht werden. Einfacher zu erreichen und zu kontrollieren ist die Einnahme entsprechender Nahrungsergänzungsmittel mit einem definierten Folat-Äquivalent. Eine weitere Alternative bietet die Einnahme von Medikamenten in Form von Tabletten oder Kapseln, um die empfohlene Dosis zu erreichen. Die Gefahr einer Überdosis ist dabei denkbar gering, solange die tägliche Menge von etwa 1.000 Mikrogramm nicht nachhaltig über einen längeren Zeitraum überschritten wird. Überschüssiges, wasserlösliche Folat kann normalerweise einfach über die Nieren ausgeschieden werden.

Folsäure während der Stillzeit

Folsäure während der Stillzeit

Nach der Geburt des Kindes nimmt der Verbrauch an Folsäure ein wenig ab, weil der körpereigene Blutkreislauf der Mutter nicht mehr das ungeborene Kind direkt ernähren muss und sich auch der körpereigene Verbrauch wieder verringert. Das gilt auch für die meisten anderen Vitamine. Während der Stillzeit, wenn das Neugeborene als Nahrungsquelle zunächst ausschließlich auf die Muttermilch angewiesen ist, hat ein optimaler Gehalt an Folsäure in der Milch eine hohe Bedeutung für Wachstum und Entwicklung. Die Empfehlung der DGE für die Tagesdosis in der Stillzeit lautet auf 450 Mikrogramm Folat-Äquivalent. Ähnlich wie in der Zeit der Schwangerschaft, kann der Bedarf über Lebensmittel mit einem hohen Folatanteil gedeckt werden.

Einfacher und besser kontrollierbarer ist es, wenn die Frau in der Stillzeit auf Präparate und Produkte mit einem definierten Folsäuregehalt in Form von Tabletten oder Kapseln ausweicht. Wie bei der Schwangerschaft kann auch hier das Risiko einer Überdosis als äußerst gering angesehen werden. Zur Kontrolle und zur Absicherung bietet ein Test des Blutserums eine einfache Möglichkeit, die Konzentration der Folsäure im Blut zu messen.

Fazit: Die Bedeutung von Folsäure während und vor der Schwangerschaft und Stillzeit ist essenziell wichtig

Folsäure hat eine hohe Bedeutung für Schwangerschaft und die anschließende Stillzeit sowie auch für die Vorbereitung zum schwanger werden. Das Vitamin sorgt für eine optimale Entwicklung des werdenden Lebens und beugt Neuralrohrdefekten vor, die sich in Schäden an Gehirn und Nerven zeigen und hilft sogar, um schwanger zu werden. Auch die Fertilität des Mannes wird durch ein folsäurehaltiges Präparat verbessert.

Besonders in der Zeit vor Schwangerschaft ist ein Aufladen des körpereigenen Depots sinnvoll. Das gilt besonders bei Frauen, die die Pille absetzen, weil die Blutkonzentration an Folsäure dann erfahrungsgemäß absinkt. Eine ausreichende Versorgung mit diesem wichtigen B-Vitamin kann durch eine folatreiche Ernährung oder durch Präparate und Produkte erfolgen, die in Form von Tabletten oder Kapseln eine definierte Menge an Folsäure aufweisen. Das gilt in fast gleichem Maße auch für die Stillzeit.

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