Vitamin D ist ebenfalls für das Immunsystem unentbehrlich

Vitamin D übt zahlreiche Funktionen im menschlichen Organismus aus. Eine gute Versorgung mit dem vielseitigen Vitalstoff stärkt vor allem das angeborene Immunsystem und vermindert das Risiko von Infektionskrankheiten. Neuere Studienergebnisse legen den Schluss nahe, dass ein Mangel an Vitamin D3 das Auftreten von Autoimmunerkrankungen wie multiple Sklerose, rheumatoide Arthritis, Lupus erythematodes und Typ-1-Diabetes begünstigt.

Vitamin D reguliert unser angeborenes und erworbenes Immunsystem

Vitamin D und das Immunsystem

Das Abwehrsystem des menschlichen Körpers stützt sich auf zwei Säulen: die angeborene, allgemeine Immunantwort und die spezialisierte, erworbene Abwehr. Beide Systeme bestehen aus bestimmten Abwehrzellen und humoralen (wasserlöslichen) Bestandteilen, die gemeinsam an der Beseitigung von potenziell gefährlichen Stoffen beteiligt sind. Unser angeborenes Immunsystem hat die Aufgabe, sofort gegen Keime (Bakterien, Viren) vorzugehen, die über Wunden in der Haut und den Schleimhäuten in den Organismus eindringen. Die Abwehrreaktionen erfolgen unspezifisch, damit eine breite Palette von Krankheitserregern bekämpft werden kann. Der Vorteil des angeborenen Immunsystems besteht darin, dass es ohne eine längere Anlaufphase Bedrohungen direkt vor Ort beseitigt. Aufgrund des breiten Wirkungsspektrums ist die Effektivität gegenüber einigen Keimen jedoch unzureichend.

Die angeborene Immunantwort umfasst folgende Strukturen:

Die Funktion von Vitamin D3 bei der angeborenen Immunantwort wurde von Wissenschaftlern bereits vor über 30 Jahren aufgeklärt. Wenn Krankheitserreger in den Körper gelangen, sorgt Vitamin D für eine Aktivierung der Makrophagen. Diese Riesenfresszellen „verschlingen“ eingedrungene Bakterien und bauen sie zu ungefährlichen Zellbestandteilen ab. Zunächst bindet ein Vitamin D3 Molekül an den spezifischen Vitamin D Rezeptor (VDR) auf der Oberfläche eines Makrophagen. Der Komplex aus Vitamin D und VDR ist in der Lage, bestimmte Gene (DNA) der Immunzelle zu regulieren.

Eine Doppelblindstudie mit acht gesunden Erwachsenen zeigte, dass Vitamin D3 eine zentrale Rolle bei der Aktivierung von weißen Blutkörperchen der angeborenen Immunantwort spielt. Der wertvolle Vitalstoff fördert die Expression von insgesamt 291 Genen in den Immunzellen. Biochemiker verstehen unter dem Ausdruck Expression das Ablesen der codierten Information eines DNA-Abschnitts und die Herstellung des entsprechenden Eiweißstoffs (Protein, Peptid). Somit bewirkt Vitamin D die Produktion wichtiger Bestandteile der humoralen Abwehr.

Wenn es dem angeborenen Immunsystem nicht gelingt, die Krankheitserreger zu neutralisieren, übernimmt die spezialisierte Abwehr nach vier bis sieben Tagen diese Aufgabe. Im Gegensatz zu der unspezifischen allgemeinen Immunantwort arbeitet die erworbene Immunabwehr höchst präzise. Jeder Angreifer löst eine spezielle Gegenreaktion aus, die ganz genau auf ihn zugeschnitten ist. Darüber hinaus stellt das spezialisierte Immunsystem sogenannte Gedächtniszellen her, die sich einen bereits identifizierten Krankheitserreger „merken“ können. Kommt es später zu einer erneuten Infektion mit diesem Keim, werden umgehend zielgerichtete Gegenmaßnahmen eingeleitet.

Das erworbene Immunsystem besteht aus:

Die Funktionen, die Vitamin D bei der spezialisierten Immunantwort ausübt, sind bis heute noch nicht vollständig aufgeklärt. Bei einem Vergleich detaillierter Blutuntersuchungen konnten Forscher nachweisen, dass Vitamin D3 maßgeblich an der Aktivierung von T-Helferzellen und T-Gedächtniszellen beteiligt ist. Die beiden Bestandteile des erworbenen Immunsystems haben wichtige Aufgaben bei der Aufrechterhaltung des immunologischen Gedächtnisses. Diese Tatsache unterstreicht die herausragende Wirkung von Vitamin D auf die körpereigenen Abwehrkräfte. Ein Vitamin D3 Mangel schwächt das Immunsystem und führt zu einem längeren und schwereren Krankheitsverlauf.

Vitamin D kann gegen Entzündungen hilfreich sein

Die Entzündungsreaktion stellt eine Antwort unseres Abwehrsystems auf schädliche Reize dar, die von außen auf den Körper einwirken. Dazu zählen Krankheitserreger, Hautverletzungen durch Fremdkörper (Glassplitter, Dornen) sowie physikalische Reize (Hitze, Kälte, Druck). Typischerweise äußern sich Entzündungen durch die Symptome Schwellung, Rötung, Schmerz, Überwärmung und eine Einschränkung der Funktionsfähigkeit. Gesteuert werden Entzündungsreaktionen durch bestimmte Botenstoffe (Zytokine, Prostaglandine, Histamin und anderen Neurotransmitter sowie Gewebehormone).

Das Zusammenspiel dieser Biomoleküle leitet die Abwehrreaktion ein: Die Poren der Gefäße weiten sich, Leukozyten und Blutplasma treten aus, wodurch es zu einem Anschwellen des Gewebes kommt. Phagozyten und andere weiße Blutzellen bekämpfen den auslösenden Reiz an der Entzündungsstelle. Aus Bakterienresten, Blut und zerstörten körpereigenen Zellen bildet sich anschließend ein dünn- bis dickflüssiger Eiter. Zwischen 12 und 36 Stunden nach dem Beginn der Entzündung bringen spezielle Botenstoffe den Heilungsprozess in Gang.

Innerhalb von drei bis vier Tagen entsteht ein Granulationsgewebe (Verschorfung), das anschließend durch normale Zellen ersetzt wird. Damit eine Entzündungsreaktion nicht überschießend abläuft, setzt unser Immunsystem verschiedene Kontrollfaktoren ein. Vitamin D hat einen entscheidenden Einfluss auf die Aktivität dieser Botenstoffe. Einerseits drosselt der wertvolle Vitalstoff Faktoren, die Entzündungsprozesse unterstützten (Interferon-γ, Tumornekrosefaktor, Interleukin-6). Zum anderen aktiviert Vitamin D3 entzündungshemmende (antiinflammatorische) Zytokine wie Interleukin-10.

Bereits im Jahr 1848 belegten klinische Studien die Wirksamkeit von Vitamin D bei Infektionskrankheiten. Die Forscher konnten nachweisen, dass der Verzehr von Lebertran die Sterblichkeitsrate bei Patienten mit Tuberkulose um 50 Prozent reduziert. Da Lebertran eine ausgezeichnete Quelle für hochdosiertes Vitamin D3 darstellt, verabreichten Eltern bis in die 1960er Jahre ihren Kindern das Fischöl zur Vorbeugung von Rachitis. Vitamin D wurde im 19. und 20. Jahrhundert in Europa zur Eindämmung der Tuberkulose-Epidemien verwendet und gilt als Vorläufer der modernen Antibiotikatherapie.

Zahlreiche aktuelle Studien zeigen: Probanden mit einem ausreichend hohen Vitamin D3 Spiegel im Blut erkranken wesentlich seltener an grippalen Infekten, Lungenentzündung, Mittelohrentzündung sowie Infektionen des Urogenitalsystems (Blase, Harnwege, Geschlechtsorgane). Wissenschaftliche Untersuchungen belegen, dass der Vitalstoff nicht nur vorbeugend wirksam ist. Auch bei bereits bestehenden Entzündungen unterstützt das vielseitige Biomolekül unser Immunsystem. Sogenannte Problempatientinnen mit chronischen Entzündungen der Scheide und des Muttermunds profitieren von der regelmäßigen Anwendung eines Tampons, das in Olivenöl getränkt und mit Vitamin D Tropfen versetzt wird.

Fazit: Vitamin D ist unerlässlich für ein gut funktionierendes Immunsystem

Vitamin D3 spielt eine entscheidende Rolle bei der Koordination der Immunantwort unseres Körpers. Ein Mangel an diesem lebenswichtigen Vitalstoff beeinträchtigt das Immunsystem und bewirkt einen verminderten Schutz gegenüber krankmachenden Viren und Bakterien. Darüber hinaus ist das Biomolekül in der Lage, Entzündungsreaktionen zu kontrollieren. Eine ausreichende Vitamin D Versorgung trägt entscheidend dazu bei, den Heilungsvorgang zu beschleunigen und das Auftreten chronischer Entzündungen zu verhindern.

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