Wie kann Vitamin D bei multiple Sklerose helfen?

Die multiple Sklerose (MS) ist eine chronisch entzündliche, neurologische Autoimmunerkrankung, die unterschiedlich verlaufen kann. Vor allem während der Krankheitsschübe greift das Immunsystem die äußere Isolationsschicht (Myelinscheide) der Nervenfasern des Zentralnervensystems (ZNS) an. Mit der Zeit kommt es zu einer Zerstörung der Schutzschicht an mehreren Stellen. Dieser Prozess wird in der Medizin als Entmarkung (Demyelinisation) bezeichnet.

Als Folge bilden sich zahlreiche entzündliche Herde (Entmarkungsherde), die für die Symptome bei MS verantwortlich sind. Wissenschaftliche Studien konnten eine Verbindung zwischen dem Vitamin D Spiegel im Blut und dem Auftreten von Autoimmunerkrankungen wie Typ-1-Diabetes, rheumatoide Arthritis und MS nachweisen. Mehrere Forschungsarbeiten zeigen, dass die Einnahme von Vitamin D3 eine positive Wirkung auf den Krankheitsverlauf der multiplen Sklerose hat.

Ein Vitamin D Mangel erhöht das Risiko, an MS zu erkranken

Zahlreiche Studien belegen eine wechselseitige Beziehung zwischen einem Defizit an Vitamin D3 und dem Auftreten von MS. Wissenschaftlich gesehen stellt diese Korrelation jedoch keinen Beweis für einen ursächlichen Zusammenhang dar. Der Vitamin D Mangel könnte lediglich ein Hinweis auf eine bestimmte Lebensführung sein, die ihrerseits den Ausbruch der Krankheit verursacht. Untersuchungen des Erbguts zeigen ebenfalls eine Verbindung zwischen einem Vitamin D3 Defizit und MS: Patienten, die erblich bedingt sehr niedrige Vitamin D Spiegel im Blut aufweisen, erkranken wesentlich häufiger an multipler Sklerose als Menschen ohne diesen Gendefekt. Diese Tatsache legt eine ursächliche Beziehung zwischen einem Vitamin D Mangel und einem erhöhten MS-Risiko nahe.

Neurologen der Harvard Medical School unter Leitung der Wissenschaftlerin Kassandra Munger suchten weltweit in Datenbanken nach zusätzlichen Hinweisen. Im finnischen Schwangerschaftsregister fand die Forschergruppe tiefgefrorene Blutproben von insgesamt 800.000 Frauen. Durch einen Abgleich mit den Gesundheitsdatenbanken aus Finnland ließ sich feststellen, welche der Schwangeren im Laufe der Zeit an multipler Sklerose erkrankten. Die MS brach durchschnittlich 10 Jahre nach Abgabe der Blutprobe aus. Aus dem Blut von insgesamt 1.092 späteren MS-Patientinnen bestimmte Dr. Munger die Vitamin D Konzentration.

Als Kontrolle dienten die Blutproben von 3.200 Frauen, die gesund geblieben waren. Nur bei etwa 10 Prozent der gesamten Proben wurde ein normaler Vitamin D Spiegel gefunden. Mehr als die Hälfte der Schwangeren wies zum Zeitpunkt der Blutabgabe einen Vitalstoffmangel auf (Vitamin D3: weniger als 30 nmol pro Liter). Bei allen späteren MS-Patientinnen lag die Vitamin D Konzentration niedriger als bei den Frauen der Kontrollgruppe. Fast zwei Drittel hatten sogar ein ausgeprägtes Defizit (Vitamin D3: unter 27 nmol pro Liter). Die Neurologen aus Harvard stellten folgenden Zusammenhang zwischen dem MS-Risiko und einem Vitamin D Mangel auf:

Inwiefern kann Vitamin D bei MS helfen?

In den letzten Jahren wuchs das Interesse von Wissenschaftlern an Vitaminen und Mineralstoffen als Nahrungsergänzung für MS-Patienten. Mehrere Studien belegen, dass eine hohe Konzentration von Vitamin D3 im Blut während der Kindheit und der Jugend vor einem späteren Auftreten der Autoimmunerkrankung schützt. Ein ausreichend hoher Vitamin D Spiegel kann zudem das Fortschreiten der MS verlangsamen. Verschiedene Forschungsergebnisse zeigen: Eine gute Versorgung mit Vitamin D3 bewirkt bei den Betroffenen weniger ausgeprägte Krankheitsschübe sowie eine geringere Schubrate. Nach Aussage der verantwortlichen Wissenschaftler lässt sich der Krankheitsverlauf durch ein Nahrungsergänzungsmittel mit normal dosiertem und hochdosiertem Vitamin D positiv beeinflussen.

Eine der wichtigsten Funktionen von Vitamin D3 besteht darin, die Immunantwort des menschlichen Organismus zu koordinieren. Verschiedene Forschungsarbeiten konnten die entzündungshemmende Wirkung des lebensnotwendigen Vitalstoffs nachweisen. Mehrere Tierstudien belegen, dass Vitamin D eine wichtige Rolle bei der sogenannten Remyelinisierung der Markscheiden spielt. Unter diesem Begriff verstehen Biochemiker den Wiederaufbau der zerstörten Isolationsschicht von Nervenfasern im ZNS.

Mit anderen Worten: Vitamin D3 scheint in der Lage zu sein, die Entmarkung als Ursache der multiplen Sklerose teilweise rückgängig zu machen. Eine klinische Studie mit MS-Patienten zeigte, dass ein hoher Vitamin D Spiegel das Zentralnervensystem vor einer zunehmenden Zerstörung der schützenden Myelinscheide bewahren kann.

In mehreren Studien kam Vitamin D3 zusätzlich zu einer konventionellen schulmedizinischen Behandlung zum Einsatz. Ein Jahr lang erhielten die MS-Patienten eine durchschnittliche Tagesdosis von 14.000 IE Vitamin D. Die Ergebnisse belegen einen positiven Effekt des Vitalstoffs auf die Anzahl der Schübe und das Ausmaß der entzündlichen Herde. Im Jahr 2016 wurde die bisher größte Doppelblindstudie durchgeführt, die sogenannte SOLAR-Studie, um die therapeutische Wirkung von hochdosiertem Vitamin D3 bei MS nachzuweisen. Insgesamt 230 Probanden nahmen an der Studie teil, die insgesamt 48 Wochen dauerte. Die Hälfte der MS-Patienten erhielt das Immuntherapeutikum Interferonbeta, der Rest wurde einer Kombinationstherapie aus Interferonbeta und Vitamin D (6.670 IE täglich für 4 Wochen, anschließend 14.007 IE pro Tag) unterzogen.

Merkwürdigerweise wählten die Wissenschaftler als Ziel der Studie den Endpunkt NEDA (kein Nachweis von Krankheitsaktivität). Das bedeutet: Nach dem vorgegebenen Behandlungszeitraum von 11 Monaten durfte kein Anzeichen von MS mehr vorhanden sein. Dieses Kriterium ist für ein Naturprodukt als Ergänzung zu einer aggressiven schulmedizinischen Therapie unrealistisch. Hinzu kommt, dass NEDA von den meisten modernen Immuntherapeutika kaum erreicht wird. Aus diesem Grund verwundert es nicht, dass die SOLAR-Studie keine Vorteile für eine Nahrungsergänzung mit Vitamin D3 bei multipler Sklerose nachweisen konnte.

Das Coimbra-Protokoll – hochdosiertes Vitamin D gegen MS

Zurzeit schwärmen südamerikanischen Medien und Blogartikel im Internet in den höchsten Tönen von dem sogenannten Coimbra-Protokoll. Nach Angaben des brasilianischen Neurologen Cícero Galli Coimbra treten nach der Einnahme von hochdosiertem Vitamin D bei MS-Patienten keine Krankheitsschübe mehr auf. Zudem sollen rund 95 Prozent aller Behandelten dauerhaft beschwerdefrei bleiben. Grundlage der naturheilkundlichen MS-Behandlung ist die genetisch bedingte Resistenz der Betroffenen gegenüber der Wirkung von Vitamin D3. Laut Dr. Coimbra liegt bei MS immer ein vererbter Vitamin D Mangel vor, der zusammen mit einem emotionalen Auslöser (anhaltender Stress, belastende Lebensumstände), zum Ausbruch der Krankheit führen kann.

Das Ausmaß der Vitamin D Resistenz lässt sich anhand der Konzentration von Parathormon im Blut bestimmen. Zur Behandlung nehmen die MS-Patienten Vitamin D3 Tagesdosen zwischen 30.000 und 100.000 IE ein. Die genaue Verzehrmenge richtet sich nach der zuvor bestimmten Vitamin D Resistenz. Um die Folgen einer Überdosierung zu vermeiden, ist eine Reihe von ärztlichen Kontrolluntersuchungen notwendig. Neben der Vitamineinnahme verordnet Dr. Coimbra eine kalziumarme Diät (insbesondere ein Verzicht auf Milchprodukte), regelmäßige sportliche Aktivitäten und die Zufuhr von mindestens 2,5 Liter Wasser am Tag.

Darüber hinaus muss der Kalziumspiegel im Blut und im Urin regelmäßig kontrolliert werden. Wie teuer ist eine Behandlung nach dem Coimbra-Protokoll? Während die monatlichen Kosten in Brasilien durchschnittlich bei 7 bis 15 Euro liegen, verlangen deutsche Ärzte deutlich mehr. Alleine die Nahrungsergänzungsmittel schlagen mit rund 70 Euro pro Monat zu Buche. Hinzu kommen Labor- und Beratungskosten von bis zu 1.000 Euro im ersten Jahr sowie 100 bis 300 Euro in den Folgejahren. Da die gesetzlichen Krankenkassen die Therapie nicht erstatten, müssen MS-Patienten die Rechnung aus eigener Tasche bezahlen. Deshalb sollte sich jeder Betroffene genau überlegen, ob diese kostspielige Behandlung sinnvoll ist.

Fazit: Die Einnahme von Vitamin D3 lohnt sich bei Patienten mit MS

Zahlreiche klinische Studien weisen auf die große Bedeutung von Vitamin D im Zusammenhang mit der multiplen Sklerose hin. Eine ausreichende Versorgung mit dem wertvollen Vitalstoff kann nicht nur die Krankheitsentstehung verhindern. Darüber hinaus zeigen mehrere Forschungsarbeiten, dass sich die Einnahme von Vitamin D3 positiv auf die Symptome und das Fortschreiten der MS auswirkt. Patienten, die hochdosiertes Vitamin D einnehmen wollen, sollten die Behandlung unter ärztlicher Kontrolle durchführen.

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